Reeperbahnfestival 2016: Besondere Auftritte, besondere Gruppe

Der Herbst ist nun endgültig da. Regen, kaltes Wetter, die erste überstandene Grippewelle. Mit einem guten Schuss Nostalgie schauen wir zurück auf den Festivalsommer, der sein inoffizielles Ende vor gut drei Wochen beim Reeperbahn Festival in Hamburg gefunden hat, bei dem auch eine größere Gruppe Forums-User dabei war.

Das Reeperbahn Festival ist und bleibt ein Phänomen. Die Klubs, Bars und Bühnen auf dem Kiez boten Hunderten von Bands die Chance, auf sich aufmerksam zu machen, was uns einige wunderschöne Momente bereitete. Was genau das Festival so besonders machte ist klar: Ein wieder mal bunt gemischtes und sehr gut ausbalanciertes Lineup, schönes Septemberwetter, eine fast durchweg gut gelungene Organisation und, last but not least, eine Gruppe von Forumsmitgliedern, mit der man das Wochenende ausgelassen feiern konnte. Dabei verliefen die Tage meist nach dem gleichen Muster: Zuerst traf man sich bei strahlendem Sonnenschein auf ein Bier im nahegelegenen Park Fiction oder dem Spielbudenplatz, wo dann auch schon die ersten der zahlreichen kleineren Showcases begutachtet wurden. Von dort machten wir uns auf, die verschiedensten Künstler*Innen in den unterschiedlichsten Locations zu erkunden und sich danach bis in die Morgenstunden bspw. im Molotow die Füße wund zu tanzen.

 

Ein ganz besonderes Highlight waren Pinegrove, eine unglaublich sympathische Indie-Rock Truppe mit Emo-Einschlag aus den USA. In der gut gefüllten Molotow SkyBar konnten wir einen wirklich besonderen 40-minütigen Auftritt genießen, bei dem die Band um Evan Stephens Hall ihr in diesem Jahr erschienenes Album „Cardinal“ in Gänze zum Besten gab. Wer auch nur annähernd etwas mit dem Album oder der genannten Musikrichtung anfangen kann, sollte sich unbedingt ein Konzert von Pinegrove zu Gemüte führen. Und auch wenn das nicht der Fall sein sollte: Alleine die grundsympathische Art und der Umgang mit dem Publikum ist das Eintrittsgeld schon wert.

 

Pinegrove aus New Jersey bei ihrem Auftritt in der Molotow Sky Bar am Donnerstag

Lange konnte man aber nicht in Erinnerung an diesen fantastischen Auftritt schwelgen, galt es doch schon eine Stunde später in der Pooca Bar bei First Breath After Coma aufzutauchen. Dass auch diese einen wunderbaren Auftritt abliefern würden, sollte schon beim Lesen des Bandnamens, der eine Hommage an Explosions In The Sky darstellt, klar sein. Schöne Post-Rock-Klänge, hier und da gespickt mit sphärischen Vocals der Portugiesen. Ein Konzert, das zum abtauchen einlädt, gespielt von einer Band, die mit ihrem zurückhaltenden Auftreten sehr sympatisch rüber kam und sich selbst in der Pooca Bar, einer der kleinsten Locations des Festivals, für die vielen Besucher bedankte, die zu ihrem Konzert gekommen sind. Bedenkt man die glücklos Wartenden vor dem Eingang, dann hätten es durchaus noch mehr sein können.

Die Liste ganz besonderer Auftritte könnte man hier wahrscheinlich ewig weiterführen. Ob Jeanne Added, die Elektro-Pop mit Sprechgesang vereint und hier und da fast wie eine experimentelle, weibliche Version von The Streets wirkt und damit Angie’s Nightclub gut eingeheizt hat, oder Gurr, die mit ihrem Garage-Punk á la Sleater Kinney inklusive „Hollaback Girl“-Cover eine Mischung aus Begeisterung und Verstörung auslösten. Aber auch Communions, Moose Blood oder Blaudzun wussten positiv aufzufallen. Zu diesen wirklich interessanten Neuentdeckungen kamen die wie erwartet guten Auftritte von Acts wie Dan Croll, Wintersleep, Wild Beasts oder Okta Logue. Aber wenn man ehrlich ist, machen die Überraschungen jedes Jahr aufs Neue die Magie des Festivals aus.

Wild Beasts am Samstag in der Großen Freiheit 36

Dass es auch organisatorische Schwierigkeiten gab – geschenkt. Wenn man sich die schiere Masse an Konzerten sowie Künstler*Innen anschaut, ist es ein Leichtes die vereinzelten unglücklichen Ansetzungen, wie die durchaus beliebten Nothing in der kleinen Molotow SkyBar oder Christian Löffler im für solche Konzerte jedoch nur bedingt geeigneten Häkken sowie die eine oder andere Fehlkommunikation in Bezug auf Einlassstops zu verzeihen. Außerdem wäre es wünschenswert, wenn die Showcases auf dem N-Joy Reeperbus vielleicht ein, zwei Songs mehr bekommen würden und die musikalische Untermalung zwischen den Sets dort ein wenig mehr an die Richtung des Festivals angepasst werden würde, anstatt eine 1-zu-1-Kopie des N-Joy-Radioprogramms darzustellen. Dennoch: Es gibt immer Möglichkeiten sich zu verbessern und wenn das wie in diesem Fall bei solchen Kleinigkeiten bleibt, können sich die Veranstalter schon mal auf Schulter klopfen.

 

Jetzt sitze Ich hier bei kalten Temperaturen am Schreibtisch, lasse das Festival bei einem Heißgetränk nochmal Revue passieren und denke mit einer gewissen Nostalgie an die fantastischen Tage zurück. Wie es sich gehört, geschieht dies alles, während ich über die Lautsprecher-Boxen einen der Acts hörte, den ich leider erst ein paar Tage nach ihrem Auftritt in Hamburg kennengelernt habe. Das macht einerseits unglücklich, andererseits beweist es, dass das Reeperbahn Festival auch nachdem ich mich in fast alles reingehört habe, immer noch hier und da eine Überraschung aus dem Hut zaubern kann. Und das steigert jetzt schon die Vorfreude auf das nächstjährige inoffizielle Ende des Festivalsommers. Hoffentlich mit genauso gutem Wetter, aber ganz sicher mit genauso schönen Bands und noch sicherer, mit einer genauso tollen Gruppe aus Forums-Usern.

LWe, GSc

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