Flow Festival 2017: Keine Spur von Summertime Sadness in Helsinki

Seit mehreren Jahren begeistern im August zahlreiche Festivals in Skandinavien mit Indie- und Pop-Größen. Letztes Jahr gelang mit der Buchung von Sia eine kleine Sensation und es stand fest, dass wir in naher Zukunft eines dieser Festivals besuchen müssen. Mit der Bestätigung von Lana del Rey für 2017 war dann klar, dass es für uns zum Flow Festival geht. Das Festival in Helsinki konnte mit seinem hochkarätigen Line Up 25.000 Besucher anlocken und zeigte sehr gut auf, warum es zu einem der Highlights in Europa gehört.

Der erste Festivaltag gehörte ganz klar Lana del Rey. Bevor sie jedoch am Abend spielen sollte, blieb noch genug Zeit, das Gelände zu erkunden. Das Festival findet etwas abseits des Zentrums der Stadt in einem Industriegebiet statt. Dadurch bietet sich die Möglichkeit, ein vielseitiges Spektrum an Spielorten zu bieten. Insgesamt werden zehn Bühnen bespielt. Davon sind zahlreiche im Freien wie etwa die Hauptbühne, die den großen Mittelpunkt des Festivals bildet.

Zusätzlich gibt es zwei große Zeltbühnen und ein paar der Gebäude auf dem Gelände dienen ebenso als Spielstätten. In einem davon ist die experimentelle Other Sound-Bühne zu finden. Dort konnten wir Laura Cannell sehen, die mit Violine und Flöten vom Mittelalter inspirierte Musik spielte. Eine außergewöhnliche Buchung, welche bestimmt nicht überall zu sehen ist und sich sich in dem Rahmen richtig toll entfalten konnte.

Ein anderes Gebäude beheimatet ein kleines Kino, in dem Filme wie Pulp Fiction oder Black Swan gezeigt wurden. Wer eine Pause vom Musikprogramm brauchte, war hier genau richtig aufgehoben.

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Eine weitere Besonderheit ist die 360°-Bühne in der Nähe des Eingangs. Dort trat die schwedische Pop-Newcomerin Skott auf und bot bereits am Nachmittag bei Sonnenschein eine tolle Show. Die Zuschauermenge war groß und sie dürfte mit ihrer Musik im Stil von Florence + the Machine viele weitere Fans gewonnen haben. Den Namen wird man in nächster Zeit garantiert noch häufiger lesen.

In der Nähe dieser Bühne befindet sich außerdem einer von drei Bereichen, an denen Essen verkauft wird. Das Angebot beim Flow Festival reicht dabei weit über die Klassiker Pizza und Döner hinaus. Uns überzeugten verschiedene Burger (Klassiker Rind, Lamm oder vegetarische Varianten) mit Pommes. Daneben dominierten zahlreiche leckere Reisgerichte die Speisekarten. Geschmack und Portionierung der Speisen ist äußerst gelungen und man ist gerne bereit, etwas mehr Geld dafür zu zahlen.

Der Food Court hinter der Hauptbühne bietete eine große Auswahl. (Foto: Felix Paul Umlauft)
Der Food Court hinter der Hauptbühne bietete eine große Auswahl. (Foto: Felix Paul Umlauft)

Am Abend war es dann soweit und Lana del Rey betrat mit ihrer Band die Hauptbühne. Vor wenigen Wochen ist ihr neues Album Lust for Life erschienen und so durften Songs davon nicht fehlen. Besonders White Mustang und Love wussten live sehr zu überzeugen. Natürlich fehlten auch die alten Hits Summertime Sadness und Video Games nicht.

Für die Zuschauer in der ersten Reihe gab es zwischendurch dann eine Autogrammsession, bei der die Band ihr Können beweisen konnte. Zum Ende hin ließ Lana sich leider etwas aus der Fassung bringen, als während eines Songs plötzlich ein verrückter Fan neben ihr auf der Bühne stand. Nachdem dieser von der Bühne gebracht wurde, konnte sie mithilfe des Publikums den Song zu Ende singen. Den Schock konnte sie dann leider nicht mehr verarbeiten, was sich ein wenig auf ihren Gesang ausgewirkt hat. Trotzdem war es ein Auftritt, der alle Erwartungen erfüllte und viele Erinnerungen mit sich bringen wird.

Der Samstag: The xx, Gewitter und schwedischer Rap mit Botschaft

Am Samstag startete das Flow Festival-Programm erneut auf der 360°-Bühne: Julie Byrne bot dort nur mit der akustischen Gitarre wunderbar ruhigen Folk. Hier wirkte sich die Bestuhlung rund um die Bühne absolut positiv aus. Das Publikum hörte aufmerksam zu und belohnte die Musikerin mit lautem Applaus.

Die kleine Zeltbühne konnte schon am Nachmittag eine tolle Atmosphäre bieten. (Foto: Felix Paul Umlauft)
Die kleine Zeltbühne konnte schon am Nachmittag eine tolle Atmosphäre bieten. (Foto: Felix Paul Umlauft)

I heard there is a storm coming. I hope it washes away racism, I hope it washes away homophobia, I hope it washes away transphobia, I hope it washes away sexism. – Silvana Imam

Im kleinen Zelt folgte wenig später das Tageshighlight: Die schwedischsprachige Rapperin Silvana Imam lieferte nicht nur eine großartige Show, sondern lieferte tolle Ansprachen auf Englisch, die sich gegen Rassismus, Homophobie, Transphobie und Sexismus richteten. Selbst wenn man der schwedischen Sprache nicht mächtig war, überzeugten die Songs mit ihrem kraftvollen Sound. Die Stimmung war beeindruckend und zum Ende hin erwischten wir uns bei den Versuchen, mitzusingen.

Danny Brown sollte anschließend auf der Hauptbühne das Programm fortsetzen. Am Himmel offenbarte sich jedoch eine dunkle Wolkenwand. Mit dem Intro (Iron Man von Black Sabbath – ein Zeichen?) begann der starke Regen, der Auftritt wurde sofort unterbrochen und alle Besucher flüchteten sich in Sicherheit. Das Unwetter wütete noch etwas länger und sorgte für ein paar Bandabsagen.

Wenig später konnte das Programm auf der Hauptbühne aber mit Goldfrapp weitergehen. The xx zeigten anschließend mit ihrem souveränen Auftritt, warum sie diesen Sommer zahlreiche Festivals in Europa als Headliner bespielt haben. Die reduzierte Lichtshow ist wirklich perfekt auf die Musik abgestimmt, das Songmaterial wusste durchgehend zu überzeugen und war stellenweise schön tanzbar. Besser kann ein Festivaltag kaum enden.

Wenig überraschend: Im Bereich des Red Gardens sah man rot. (Foto: Felix Paul Umlauft)
Wenig überraschend: Im Bereich des Red Gardens sah man rot. (Foto: Felix Paul Umlauft)

Der Sonntag gehört den Kindern – und besonderen Künstlern aus Afrika

Der Sonntag gehört beim Flow Festival den Familien und so waren zahlreiche Kinder auf dem Gelände zu sehen. Highlight für die Kleinen dürfte die Kids Disco gewesen sein, bei der ein besonderes Kinderprogramm geboten wurde und wo selbst die Erwachsenen mittanzten.

Zum Tanzen lud auch die Norwegerin Jenny Hval mit ihrem Electropop ein. Es lässt sich schwer in Worte fassen, was alles auf der Bühne passierte – die exzentrische Show warf viele Fragen auf. Warum war ein leeres aufblasbares Schwimmbecken auf der Bühne? Wieso filmten einige im Publikum, wie sie von der Bühne aus mit einem Smartphone gefilmt wurden? Und warum singt Jenny mit einer Strumpfhose über dem Kopf einen Song?

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Angel Olsen mit ihrer druckvollen Band dagegen braucht keine großen Showelemente und begeistert allein mit ihren Songs. Ihre Darbietung von Sister zählte wohl zu einem der größten Momente des Festivals und sorgte für gewaltige Gänsehaut. Obwohl sie schon den kompletten Sommer tourt, wirkte sie nicht müde und konnte nicht nur mit dem gitarrenlastigem Indie-Folk, sondern auch mit ihrem sympathischen Lachen die Herzen des Publikums erobern.

Die 360°-Bühne beeindruckte auch in der Dunkelheit. (Foto: Felix Paul Umlauft)
Die 360°-Bühne beeindruckte auch in der Dunkelheit. (Foto: Felix Paul Umlauft)

Zum Abschluss der Festivals ging es nochmal zu der 360°-Bühne. Diese sieht in der Dunkelheit mit der Beleuchtung noch beeindruckender aus. Die malische Songwriterin Fatoumata Diawara feierte zusammen mit der marokkanischen Sängerin Hindi Zahra ein Fest auf der Bühne. Nach und nach begab sich das Publikum von den Sitzplätzen direkt vor die Bühne, um zu tanzen. Der Auftritt wurde immer berauschender und wohl jeder erlebte einen letzten Höhepunkt, der viel zu schnell vorbeiging.

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Mit seinem breiten Programm, dem tollen Gelände und Essensangebot sowie den Vorteilen eines Stadtfestivals konnte das Flow Festival uns komplett überzeugen. Wer eine kleine Alternative zum Primavera im Spätsommer sucht, könnte hier durchaus fündig werden. Auch für uns war es bestimmt nicht das letzte Mal beim Flow Festival.

FUm

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